Dienstag, 26. Juli 2011

Ein Fußabdruck (in) meiner Schokolade (Naschen bildet?)

Eine Welt ohne Schokolade - für mich nicht vorstellbar. Ist Schokolade im Haus ist auch alles gut. Ist keine da, werde ich unruhig - vorzugsweise kurz nach Ladenschluss oder am Wochenende. Neben dem schwarzen Gold (Kaffee) brauche ich meine regelmäßige Zufuhr braunes Gold (Schoki), damit ich für meine Umwelt erträglich bin.

Umwelt ist ein gutes Stichwort, denn seit ich einen Bericht über den Kakao-Anbau gesehen habe achte ich noch mehr als sonst auf die Stichworte "Bio" und "Fairtrade". Und da fiel sie mir in die Hände (und damit in den Einkaufskorb) - die REWE Bio Schweizer Traube-Nuss-Schokolade. 


Um Unklarheiten schon vorweg zu beseitigen: dies ist kein Werbeaufruf, kein in irgendeiner Weise gesponserter Verbrauchertest oder auf sonstigen Wegen von Dritten angeregter Beitrag. Mir fiel es nur auf und seitdem beschäftigt es mich - denn: in meiner Schokolade war ein Fußabdruck! :O


Sozusagen ihr eigener - genauer ihr CO2-Fußabdruck. Der mir sagt, dass ... ja, was eigentlich? Insgesamt umfasst der Abdruck dieser meiner Schoki "die Herstellung der Rohstoffe, Herstellung der Schokolade, Transport zum Hersteller, Herstellung und Wiederverwertung der Verpackung, Auslieferung an den Supermarkt, Lagerung der Schokolade bis hin zu einem durchschnittlichen Transportweg eines Konsumenten" - steht da geschrieben und wurde laut Verpackungsinfo in Zusammenarbeit mit myclimate errechnet. Die Summe: 329 g CO2. Hey, das ist doch nur eine 100 g-Tafel...?


Aber was genau sagt mir das denn nun? Ebenfalls angegeben sind Vergleichswerte - "1 km Autofahren verursacht im Durchschnitt CO2-Emissionen von ca. 150-200 g".

Was ich mich frage - wie sieht denn der Fußabdruck einer Standard-Schokolade aus? Dazu war leider nichts angegeben, aber jetzt bin ich neugierig. Die Verpackung hielt weitere Informationen bereit...


Ok, ich unterstütze mit dem Kauf der Schoki ein "Projekt von myclimate: die lokale Produktion und Anwendung von effizienten Kochern in Peru in abgelegenen Haushalten". Wodurch unter anderem der Holzbedarf aus nicht nachhaltig bewirtschafteten Wäldern gesenkt wird, so steht da geschrieben. "Dies führt zu einer Reduktion der CO2-Emissionen von 175.000 t CO2-äq. (über 7 Jahre) und schütze den lokalen Wald." Wer dazu mehr wissen möchte, kann sich auf der myclimate-Website weitere Infos holen.

Noch Neugierigere finden auf der Verpackung einen Fairtrade-Code, mit dem man rausfinden kann, welche Produzenten man mit dem Kauf des Produkts unterstützt. Ich hab das mal probehalber getan.


Jede Menge Information also auf der Verpackung meiner unscheinbaren kleinen Schokoladentafel. Sehr löblich, finde ich. Andererseits frage ich mich, ob das für den "Durchschnitts-Schoki-Esser" nicht vielleicht auf der einen Seite zu viel Info, auf der anderen Seite aber zu wenig Erklärung ist. Ein so komplexes Thema auf einer Schokoladenverpackung zu thematisieren ist ambitioniert und kann und soll wohl nicht erschöpfend abgehandelt werden (warum sonst habe ich mich eine ganze Diplomarbeit lang über einen quasi winzigen Aspekt der Auswirkungen von erhöhten CO2-Konzentrationen beschäftigt?). Mein quasi vorbehandeltes Hirn fing an, das verschüttete Wissen abzustauben und herauszugraben und stellte mir auch gleich einen inneren Fragenkatalog auf, welche Vergleichsdaten ich gern hätte, welche Informationen mir fehlen, welche Quellen ich heranziehen könnte... das allerdings fand ich noch erschöpfender. Insofern tat ich erst einmal das, wozu ich die 329 g CO2 gekauft hatte...


...ich hab der Schoki zum Fußabdruck auch noch einen Zahnabdruck verpasst. :D

Was meint ihr - seid ihr nun völlig verwirrt (was faselt sie denn da? - alternativ: was faseln die denn da?), ist euch das egal (Hauptsache schmeckt) oder ist euch so ein CO2-Fußabdruck schon an anderen Stellen begegnet?

Kauende Grüße
daisy
(die die Verpackung definitiv wiederverwerten wird - Izzy lauert schon, ob sie gleich endlich damit spielen darf)


Kommentare:

  1. Solch ein Fußabdruck ist mir bislang nicht aufgefallen, aber ich lese auch eher selten durch, was auf den Verpackungen steht. Außer ich brauche eine Bedienungsnaleitung :O
    Gelegentlich kaufe ich auch Fairtrade-Produkte, aber speziell bei Schokolade kaufe ich nur eine Sorte, und die hat keinen Fußabdruck in, sondern allenfalls Kuhflecken auf der Verpackung :D

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  2. Mir ist der Fußabdruck noch nicht begegnet, aber bei dem Gedanken, was alles welche Fußabdrücke auf der Erde hinterläßt, wird mir schon mulmig und wenn ich an meine Besitztümer :-) denke, erst recht....
    Ich versuche bewußt einzukaufen, hochwertige, langlebige Dinge, aber die hinterlassen auch Spuren.... ich selbst soll ja angeblich zu Staub werden.... grübel....

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  3. Ja, hochwertige Dinge sollte man wirklich viel mehr kaufen. Es gibt zwar immer die Werbemasche, man sei total "nachhaltig" , vielleicht haben Läden auch tolle Listen, aber verkaufen trotzdem vor allem Zeug, das den nächsten Umzug nicht überlebt ... finde den Fehler ... ! ;)

    Diese Umgewöhnung wird mir in Zukunft sicherlich leicht fallen. Und bei Lebensmitteln versuche ich das auch. Schon immer (!) werden bei uns nur sehr regional angebaute Erdbeeren gemampft. Und auch nur, wenn die Saison haben. :D

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  4. Oh ja - viele schöne bunte NEUHEITEN kann man fast gleich schon nach dem Kauf im Laden in die Tonne kloppen und bräuchte sie gar nicht erst nachhause zu schleppen und dann kostspielig zu entsorgen....
    Fußabdrücke um Fußabdrücke....

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  5. Ich habe scheinbar noch nie eine Tafel Schokolade so auseinandergenommen wie du, ich kaufe auch zu selten Tafeln, denn ich bin eher der "Keks mit Schoki umhüllte Naschtyp"

    Auf der einen Seite finde ich das ja sehr interessant und auch gut abgebildet mit dem Fuß, auf der anderen Seite ist es eine Masse an Infos die man scheinbar nur mit Google und Wiki kapiert. Macht da eigentlich das Naschen noch Spaß?

    Die Schoki schien lecker zu sein und mit dem Kauf hast du defintiv irgendjemandem etwas Gutes getan und das ist auch viel wert!

    LG
    Soja

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  6. Ich kaufe im Zweifelsfall auch lieber Produkte aus der Region, weil deren Transportwege viel kürzer sind und damit weniger CO2 produziert wird.
    Aber wirklich nur dann, wenn ich mich sonst nicht entscheiden kann ;)

    @ Arcto
    Die Schokolade mit den (lilanen) Kuhflecken auf der Verpackung mag ich auch :)

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  7. Danke für eure Antworten, Mädels. :*

    Erst einmal das Wichtigste: Soja, soooo lecker ist die nicht (finde ich - und Geschmäcker sind zum Glück so vielfältig wie... sucht euch was aus). Insofern - rennt jetzt bloß nicht in den Laden und schiebt mir hinterher die Schuld in den Fußabdruck!
    Für mich ist es eher eines dieser Produkte, dass den Neu-Bio-Käufer davon abhält, weil "Bio schmeckt ja nicht so gut". Abgesehen davon sind "nur" 56% fair-trade Zutaten drin (damit erfüllt man wohl eine Vorgabe, damit man das Siegel draufknallen kann - aber das ist nur eine Vermutung, die ebenso falsch sein kann). Da kenne ich deutlich leckerere faire Bioschoki... schade, denn der 08/15-Verbraucher wird wohl am ehesten im Supermarkt Bio-Experimente machen. Und dann davon wieder Abstand nehmen...

    Timeless, dein "Fußabdrücke überall" hat mich hier umherblicken lassen - ganz schön gruselig. Obwohl - ein paar meiner Möbel sind schon aus dem vorletzten Jahrhundert, da kam vielleicht nur ab und an ein bisschen Transport und Aufhübschung hinzu - die Bäume sind längst wieder nachgewachsen. ;) Aber dennoch - ich werde mir beim nächsten "Schnäppchenrausch" vielleicht mal ein paar Fußabdrücke dazudenken. Vielleicht hilfts ja... (und nein, das gilt NICHT für Stoff - da schaue ich aber trotzdem mal, ob da Kinderhände im Spiel waren...).

    Mony, Erdbeeren sind sowieso am leckersten, wenn sie quasi noch sonnenwarm sind und nicht halbreif und noch blassgelb in der Kühltheke liegen - finde ich. Nächstes Jahr folge ich euch Balkonobstplantagenbesitzern und baue noch ein bisschen mehr an als nur Peperoni. ;)

    Apropos, Su - was macht eigentlich dein Balkongemüse? Und lieber regional und evt. nicht mit Biosiegel als Biokartoffeln aus Ägypten (da frage ich mich auch immer, ob das noch zusammenpasst...).

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  8. Ha, ich habe heute erfolgreich den Knofi aus Spanien aus dem Regal genommen und dafür den aus China zurück gelegt! :D Kriege ich jetzt einen Orden ...? :P

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  9. Das gibt definitiv ein Karmapünktchen, Mony! ;)

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  10. Ich hab Knoblauch aus Frankreich - das ist noch näher :-).... Ich hatte auch schonmal eigenen im Garten....

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  11. Danke, Karmapünktchen kann man ja nie genug haben! Knofi aus Frankreich gab es nicht, Timeless! Nur Spanien oder China. Oder gar kein Knofi. Aber das ist für mich keine Option. Und der spanische Knofi fühlt sich in einer schönen Aioli doch auch so heimisch! :D

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  12. Für einen Saarländer ist Knoblauch aus Frankreich ja quasi schon aus dem eigenen Garten, oder, Timeless? ;) Dafür gibts ein goldenes Karmasternchen. :D

    Ich finde es aber sehr löblich, dass du es deiner Aioli kuschelig machen möchtest, Mony. War sie lecker und hat dich um einen Rioja als Begleitung angebettelt? :P

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  13. Nö. Kein Rioja. Keine Aioli. Noch nicht. :D

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