Samstag, 24. September 2011

"Mein" Baltrum - das Dornröschen in der Nordsee

Was für eine Woche! Ein bisschen sehr anstrengend war sie, ich fühle mich fast schon ein bisschen wie ein Großmütterchen. Nun ist es Samstag abend und endlich hat mich mein Sofa wieder! Für kreative Anfälle fallen mir schon zu sehr die Augen zu. Doch Bilder habe ich noch für euch - wie versprochen hier für euch "mein" Baltrum in Bildern. Wenn ihr Lust habt, seid ihr herzlich eingeladen, mit mir meinen Spaziergang im August über diese verschlafene und wunderschöne Insel zum Seele-baumeln-lassen zu unternehmen. Und schon einmal vorweg und fast unglaublich: ich habe tatsächlich keinen einzigen Menschen auf meinen Fotos...

Die Fähre - so wühlig es bei Flut auch am Hafen ist - bei Ebbe ist es gespenstig ruhig. Lediglich im Watt geht es dann hoch her - aufgrund der wattwanderwütigen Touristen ist der Meeresboden im Sommer definitiv überbevölkert.
Auch hier - niemand zu sehen. Das war bei der Ankunft völlig anders - Hunderte von Touris schwärmten umher und suchten ihren Handkarren. In Fachkreisen auch "Wippe" genannt stehen diese Karren am Hafen bereit, schön nach Pensionen oder Häusern geordnet - damit zieht dann eine Karawane von Neuankömmlingen gen Inselinneres und schwärmt auf das autofreie Baltrum aus.
Bei meiner Ankunft begrüßte mich die Insel noch mit strahlendem Sonnenschein. Also schnell das Gepäck ins Zimmer geworfen und ab auf die Aussichtsdüne - hier noch der Blick zurück in Richtung Festland...
...und dann nichts wie ab ans Meer! Das erste Mal das Meer rauschen hören - irre. Das erste Mal mit nackten Füßen durch den Sand laufen - herrlich! Das erste Mal von den Wellen die Füße umspülen lassen - unbeschreiblich. Nach einem langen Spaziergang mit Wind um die Nase und Salz auf der Zunge muckelig in eine Fleecejacke gehüllt die letzten Sonnenstrahlen bei einem eisgekühlten Jever am Strand genießen - ohne Worte...
In den nächsten paar Tagen war das Wetter leider weniger August-Sommerurlaub-gestimmt. Für eine wetterfest ausgerüstete Freiluftpflanze kein Problem, auch wenn ich mich bei jeder Begegnung mit dem Sohn der Vermieterin auf entsprechende freche Sprüche gefasst machen musste. Kam ich klatschnass und durchweicht vom Spaziergang zurück: "Na, Regenhosen sind wohl auch nur was für Weicheier, oder?" - Kam ich dick eingemummelt und mit Regenhose bis zur Unkenntlichkeit getarnt vom Spaziergang zurück: "willst du in die Antarktis oder was?" - ja ja, red nur... der große Pott Kaffee, den du mir jeden Morgen mit süffisantem Grinsen in die Hände gedrückt hast, lässt mich vieles verzeihen...

Von eben diesem Ostfriesen wurde ich auch über die Infrastruktur der Insel aufgeklärt: "Im Norden ist die Nordsee. Im Süden ist das böse Festland. Im Westen ist das böse Westdorf. Und im Osten ist es schön!" - Dem ist nichts mehr hinzuzufügen - also folgt mir...

Hoppla! Vielleicht sollten wir einfach dem Kaninchen hinterherhoppeln - davon gibt es nämlich reichlich!
Das "Nichts", das es auf Baltrum gibt, entpuppt sich als sehr abwechslungsreiche Vegetation - die lilafarbenen Flecken werden vom Strandflieder gebildet...
Strandflieder!
Wasser gibts nicht nur drumherum, sondern auch mittendrauf.
Einfach immer der Nase nach - Verlaufen ist auf Baltrum unmöglich.
Sanddorn - wie schön, dass immer etwas zu Naschen am Wegrand steht.
Wenn man weit genug nach Osten läuft, kommt man unweigerlich an den Dünenübergang zum Strand.
Lustige Pflanze mit Kaninchenkötteln - dieser Anblick ist besonders in Dünennähe vorherrschend.
Und hinter dem Dünenübergang...
...steht man an der Schutzzone. Hier kann man herrlich stundenlang sitzen und den Vögeln zuhören - die können ganz schön Lärm machen. - Der Schuh hing dort während meines gesamten Aufenthalts am Zaun - sein Gegenstück sah ich etwa 2 km weiter westlich (war aber nach der nächsten Flut wieder abgetaucht).
Auf Zehenspitzen bin ich durch die Brutgebiete geschlichen (leise fluchend, wenn ich mir mal wieder eine Muschel eingetreten hatte)...
...und habe mich dafür von den Möwen auslachen lassen müssen. Aus-Lach-Möwen eben.
Nach einer Weile am Schutzgebiet gehts dann doch wieder westwärts, immer an der Düne längs.
Manchmal sind die Bilder die besten, die man nicht gemacht hat.
Etwas vom Meer entfernt lag ein Heuler und ... naja, heulte kann man nicht sagen, es war aber klar, dass er ohne seine Ma unterwegs war und ein wenig betrübt herumlag. Während das Meer abhaute. Zusammen mit zwei Insulanern haben wir das niedliche Wesen dann aufgefordert/angefeuert, doch lieber wieder schwimmen zu gehen. Das hat ziemlich lange gedauert und ich hatte reichlich Gelegenheit, das Tier mit den riesigen Kulleraugen und den lustig geformten Flossen zu betrachten. Arm ausstrecken hätte gereicht und ich hätte mal fühlen können... doch ich wollte das Tierchen nicht noch mehr verschrecken. So gabs nur ein Foto von den Spuren, die es hinterlassen hat...

...und eins vom Kopf des Heulers, der dann nach seinem anstrengenden Weg über den Strand wieder Wasser unter den Flossen hatte.
Wenn das Wasser verschwindet, sieht es an einigen Stellen ganz schön spannend aus...
...und seltsame Dinge bleiben auch manchmal liegen. Ein UFO (Unbekanntes FlutObjekt)!
Und noch me(e/h)r Nichts... total schön!
Noch ein letzter Blick aufs Meer, noch einmal bewusst wahrnehmen, wie der Wind um die Ohren pfeift, das Salz schmecken und den Sand aus den Augen reiben, dann geht es zurück über die Düne.
Und wenn man Glück hat, bekommt man auf der Terrasse des Café Kluntje noch ein sonniges Plätzchen, um bei Ostfriesentee die Hände wieder aufzutauen und das glückliche Grinsen auf dem Gesicht zu genießen. - Die Sanddorntorte hab ich nicht mehr fotografiert, die benötigte meine volle Aufmerksamkeit... ;)

Die Frage, die sich jedem Baltrumreisenden am Ende des Urlaubs stellt, ist diese: "Immer wieder oder niemals wieder?" - Für mich immer wieder, definitiv! Abgesehen davon habe ich bei einem der Insulaner für eine spontane Hilfe noch einen Kaffee gut...





Kommentare:

  1. Tolle Aufnahmen :D
    Und schön, dass du deinen Urlaub trotz des doch sehr gemischten Wetters voll genießen konntest :D

    Und danke für die Erinnerungsauffischung. Vor ca. 25 Jahren war ich auch mal dort, und ich würde sagen, es hat sich seitdem nichts verändert. Außer, dass der Schuh damals wohl noch nicht da hing .... :O

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  2. ... gab es damals auch schon UFO's, Arctopholos?

    Auch ich bedanke mich für die tollen Fotos, mein letzter Urlaub auf einer der ostfriesischen Schwestern ist zwar noch nicht soo lange her wie der von Arctopholos, aber schon wieder viel zu lange!

    Ich bin aber bisher immer "meiner" Schwester treu geblieben. Auf ihr habe ich meine allerersten Schritte gemacht, das verbindet einfach! ;) Von Baltrum unterscheidet sie sich wohl auch nicht wirklich, immerhin ist auch sie autofrei, und auch dort gibt es heiß umkämpfte Plätze im Cafè. Dort steht das aber am Hafen! ;)

    Für mich definitiv die Insel für's Leben! ;)

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  3. Oh wie schön - da möchte ich gerade auch hin - egal bei welchem Wetter. Ich mag Wind und Sturm und Regen und Wellen. Ich habe dabei schonmal gelernt, dass Fotoapparate nicht wasserdicht sind :-)....Ich hoffe, der kleine klubschige Heuler hat seine Mama wiedergefunden....

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  4. Ist es nicht schön, dass sich manche Dinge nur minimal verändern (Wander-Schuhe und Flut-UFOs ausgenommen)? An meinen Urlaub hatte ich nur zwei Wünsche: Nordsee inklusive Wind, Wellen und Durchpusten lassen (hat geklappt) und einen Ausritt in den Dünen (hat nicht geklappt, wurde wegen Wetter abgesagt). Insofern hab ich schon zwei Gründe, wieder hinzufahren... :)

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  5. Da muss ich auch unbedingt mal hin ... war bisher noch nie auf einer Ostfriesischen Insel. Lebt Otto (der Außerird... ähhhh ... Außerfriesische => war ja nicht sein UFO, oder? *g*) dort eigentlich immernoch? :)

    Das sind echt tolle Ulaubsimpressionen, daisy!
    Vielen Dank dafür! ;)

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