Freitag, 6. Juli 2012

Nächtlicher Aktivismus

Von außen betrachtet (also nehmen wir mal an, ich sehe mit den Augen des Herrn, der kleine selbstgenähte Nadelkissen mit diesem speziellen "a-ha" kommentiert, das so viel bedeutet wie ".....????" - beliebigen Ausdruck der Ratlosigkeit einsetzen) ist Patchwork eine seltsam anmutende Sache. Man nehme viele verschiedene Stoffe, schneide kleine Teile davon ab, nähe sie zusammen, bügle sie, schneide sie wieder auseinander, um sie wieder zusammenzunähen und hat dann am Ende... ein Stück Stoff. Das auch noch kleiner ist als das Ausgangsmaterial. Also rein flächenmäßig gesehen. Dafür verbrate man ein paar Stunden seiner Lebenszeit. Was kann das für einen Sinn machen?

Zum Glück betrachte ich das ja nicht von außen... sondern habe mich ein bisschen durchs Netz gewühlt (Bildersuche: Quilt). Meine Augen wurden größer, bei diesem hier starrte ich nur minutenlang auf die Fotos und staunte... (Agnes - wäre das nichts für deine Tochter? difficulty 6****** sollte doch kein Problem sein...). Aber ich will mich ja erst einmal langsam herantasten... noch ein Klick... noch ein Klick... noch ein - ha! Da war es, das "Willichsofortausprobieren". Es kam in Form eines Value Quilt Tutorial und beinhaltete so ermutigende Worte wie "buy more fabric". Das ist übrigens eine tolle Idee - ich habe die 64 unterschiedlichen Stoffe gerade so in meinem Fundus zusammenbekommen - da ist doch noch Luft nach oben...?

Und dann tat ich genau das, was bei manchen Herren den fremder-Planet-Blick hervorruft: Stöffchen herauskramen, Quadrate schneiden (dank Timeless' spontaner Lieferung von Linealstopperklebepunkten völlig unfallfrei - dankeschön!!) und zusammennähen.


Das Zwischenergebnis könnte man auch gut als bunting flags nehmen...


Stattdessen habe ich die Ecken auseinandergeschnitten, gebügelt und noch eine Runde Feinschnitt eingelegt.


Und dann... habe ich die Katze aus der Wohnung gebeten und mangels Designwand auf einem Bettlaken ein bisschen Stoffstück-Puzzelei betrieben. Legeversuch Nr. 1 (ohne Gackern).


...erkennt man, worauf ich abziele? Für den ersten spontanen Versuch bin ich schon ganz zufrieden - mit der linken Seite. Rechts könnte noch ein bisschen optimiert werden, da kommt es noch nicht so gut raus. Was meint ihr? - Zur groben Größenorientierung: die einzelnen Stoffquadrate haben (nach all dem Rumgerollschneide und Genähe) eine Kantenlänge von 11 cm (zu Beginn des Prozedere sind es 12,5 cm).

Und nein, zusammengenäht sind die Bahnen so noch nicht, ich lasse es erst einmal auf mich wirken... ist ja auch nicht so, dass ich nicht heute schon wieder Post gehabt hätte mit Nähobjekt-Nachschub... 




Spontan dabei auftauchende Fragen:

In der verlinkten Anleitung werden die Nähte auseinandergebügelt. Ich habe an anderen Stellen schon gelesen, dass sie zu einer Seite hin (und zwar zur dunkleren) gebügelt werden. Das kam mir vertrauenerweckender vor, insofern habe ich die Variante gewählt. Wie macht ihr das?

Habt ihr (besonders ihr Viel-Stoffstückchen-Schneider) schon einen ultimativen Rollschneider-Vergleich gemacht - und was kam dabei heraus? Die Preise bei den Klingen variieren teilweise deutlich - drückt sich das auch in der Haltbarkeit/Schärfe aus? Und nehmt ihr die glatte oder die mit den lustigen Wellen (und wenn ja, wofür?)


Kommentare:

  1. Waaaaahnsinn!!! Das sieht ja wirklich nach einer Mordsarbeit aus. Aber auch superschön und superschönbunt!!! :D
    Aber es stimmt schon, rechst kommt das hell/dunkel nicht ganz hin. Aber du kannst ja noch ein wenig puzzlen ... :)
    Vielleicht ginge es, wenn man die beiden gleichen Quadrate jeweils nicht nur auf oben und unten, sondern auch noch auf links und rechts verteilen würde, also 1 links unten, 1 rechts oben, 1 links oben, 1 rechts unten (und keins fallenlassen) verteilen würde? Oder wird das so zu gleichmäßig?

    Ansonsten kann ich dir auch die anderen Fragen natürlich nicht beantworten.
    Nur die eine von ziemlich weit vorne: ja, da ist noch Luft nach oben ... du brauchst gaaaanz dringend Stoffnachschub ... :D

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  2. Wow, das sieht klasse aus!! Was ne Arbeit, aber ich finde, dass sie sich gelohnt hat!!

    Ich habe bisher auch immer die Nahtzugaben zur dunklen Seite hingebügelt, kann mir aber vorstellen, dass das bei den Dreiecken und fiesen "Verwurstelungen" führen kann. Verstehst du, was ich meine?

    Ob du die Wellen- oder normale Klinge benutzt ist einfach nur Geschmacksache. Manche benutzen die Klinge statt der Zackenschere, um sich das Versäubern zu sparen. Durch dicke Stoffe wie Walk oder Leder scheint die Wellenklinge besser durchzugehen, aber zum Patchen kommen die ja eh nicht in Frage.

    Viel Spaß weiterhin dabei! Bin sehr gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird :)

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  3. Hallo Daisy,
    na da bin ich ja mal platt!!!! Das wird doch super!!!
    Ich persönlich nenne Patchwork ja auch "Puzzle für Bekloppte: man kaufe sündhaft teure Stoffe, zerschneide sie in mikroskopisch kleine Stücke und nähe sie dann wieder zusammen, nur um dann jede Menge Reste und noch mehr Arbeit zu haben...." Ist doch bekloppt, oder? (Naja, positiv bekloppt!)
    Zu deinen Fragen: Nahtzugabe entscheide ich immer nach Muster und Stoff. Bei sehr transparenten Stoffen würde ich es immer in die dunklere Seite bügeln. Treffen bei dem Muster sehr viele Nähte aufeinander, bügel ich eher mal auseinander.
    Und ich habe einen Olfa-Rollschneider und bin seit vielen Jahren sehr zufrieden damit!!

    Na dann stichel mal schön weiter! Ich freu mich schon auf deine Ergebnisse!!
    Liebe Grüße
    Trudi

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  4. Uiiiieeeeh ich brauche den lobenden Worten meiner Vorrednerinnen nichts hinzuzufügen....es sieht super aus. Rechts könntest Du vielleicht noch etwas Farbe auftragen, aber sonst ist es perfekt.

    Man muss beim Zusammennähen auch achten, dass alle Nahtzugaben in einer Richtung liegen...

    Ich hab schon ewige Zeit einen Omnigrid-Schneider und bin voll zufrieden. Ein Wellenrad würde ich mehr zulegen, wenn ich Walk oder sowas verarbeite - also Stoffe, die nicht umsäumt werden müssen, um einen schönen Abschluss zu haben... Viel Spaß beim Weiterwerkeln und einen schönen Abend...

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  5. also der Link sieht ja schon toll aus, aber das mit den Dreiecken gefällt mir ehrlich gesagt besser ;)
    und ich glaube auch nicht, daß meine Tochter so schnell wieder NYB oder ähnliches nähen möchte ;)
    zumindest steht eine "Anna" ganz oben auf ihrer To-Do-List
    wir arbeiten grad an einem Blog für sie, da wird sie dann öfter mal selber was berichten ;)

    ich hab einen Wellenschneider und soll ich Dir was sagen???
    ich hab ihn noch nie benutzt ~schäm~
    ansonsten mußt Du einfach probieren, ich hab einen guten von Prym (glaub ich)
    und einen Billigen aus dem Supermarkt
    so lang die Klinge scharf ist, ist das egal
    allerdings hab ich mal auf der Creativa einen gekauft, bei dem war die Achse nach rel. kurzer Zeit im A...!!
    und somit der Rollschneider unbrauchbar!!

    brauchst Du noch Stoffstückchen???
    ich muß sowieso welche schneiden für eine andere Bloggerin, der ich welche versprochen habe, da könnte ich Dir auch welche schicken ;)

    LG Agnes

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  6. Wow, sooo schön!!!
    Jaaa, aber du hast recht... links ist optimal, rechts noch nicht so ganz...
    Ich hatte mal nen Patchwork-Kurs gemacht und da wurde uns erklärt, dass die Nähte zu einer Seite genäht werden. Weil das stabiler sei und auseinanderbügeln zur Folge haben könnte, dass Vlies rauskriecht.
    Deine "Blöcke" sind wahrscheinlich die Reihen, oder? Dann würd ich wahrscheinlich die NZ zu entgegengesetzten Richtungen bügeln, also Reihe 1 z.B. nach links, R 2 nach rechts etc, dann wird das beim Aneinandernähen der Reihen nicht ganz so dick.
    Bei den Dreiecken ist es vermutlich egal, in welche Ri du bügelst, uns wurde auch gesagt immer zu dunklen Seite.

    Ich bin schon ganz neugierig auf dein Kunstwerk.

    Lieben Gruß von der Elli

    PS Patchen geht bei mir immer schnell,
    allerdings hab ich noch 2-3 ufos zum quilten hier rumliegen.
    Und da ich immer mit der Hand quilte, kann das noch dauern...

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  7. Ach so schnell geht das. Doch keine Ufo-Jahre :-)
    Wie man die Stoffteilchen umsortieren könnte, kann ich so schnell nicht überblicken, da müsste ich schon selber hin- und herschieben. Viel Spaß beim Weiterpuzzlen!

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  8. ich würde auch auf eine Seite bügeln, bei Reihenähen treffen die Nähte genauer aufeinander.


    Die Klingen meiner Rollschneider gingen immer nur kaputt, wenn ich doch mal noch ne Stecknadel drin hatte.


    Grüße Ramgad

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  9. Mensch Du "zauberst" mit Stoffen! Tolle Arbeit von der ich mich persönlich überzeugen darf ;-) Gestern bekam ich ganz liebe Post und ich hab mich irre gefreut über Dein Nadelkissen und Deiner lieben Karte dazu! Ich werde es in Ehren halten - Versprochen! Bei nächster Gelegenheit wird es natürlich auch auf meinem Blog zu sehen sein! Also fühl Dich ganz lieb gedrückt und noch einmal DANKE!!!!
    Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende
    Petra

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  10. Das sieht wirklich toll aus. Aber ich wünsche Dir trotzdem viel Durchhaltevermögen...ich glaube das kannst Du brauchen. Melde Dich wenn Dir der Stoff ausgeht...ich sammle dann schon mal

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  11. Danke,danke, danke!!! Ich bin ein bisschen erleichtert, dass ihr das Puzzle für Bekloppte für völlig normal haltet... und eigentlich hatte ich gedacht, ich fange mal klein an, aber dann wirds nichts mir eine weiteren großen Decke (die für Weihnachten, ihr wisst schon). Insofern - danke für eure Tipps und Wünsche nach Durchhaltevermögen - I'll do my very best... :)

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  12. ...und was die Stoffstückchen angeht - wo nehmt ihr sie denn her? Denn das, was ich da vernäht habe, waren Schnipsel aus meinem kompletten Fundus an unterschiedlichen Baumwollstoffen. Gibts da "Tauschbörsen" oder so etwas? Klar kann ich mir da auch Pakete kaufen - aber ähnlich wie bei dem Granny-Kissen oder dem Häkelarmband ist es noch hübscher, wenn man sich an die Menschen erinnert, von denen das Material kommt (ich bin da ein bisschen sentimental...).

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  13. ähm, Stoffe und Bücher sind eine Sucht ;)

    ich "horte" jede Menge Stoff, und da ich ja nicht für bestimmte Projekte (zumindest tue ich das normalerweise nicht) einkaufe, habe ich immer entweder zu wenig, oder zu viel, das heißt, es fallen immer Reste an ~ggg~
    außerdem nähe ich schon seit meiner Schulzeit ;)

    und Reste schmeißt man nicht weg
    by the way -- die Definition für Reste ist sowieso sehr unterschiedlich ;)
    ich kenn da jemanden, für den ist alles was größer ist als eine Briefmarke noch zu gebrauchen ;)

    LG Agnes

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    1. Was deine Suchtobjekte angeht, stimme ich dir vorbehaltlos zu! (Kennst du schon "Schloss aus Glas?" Ich konnte nicht aufhören... und die anderen drei auch nicht... momentan habe ich es an meinen Vermieter verliehen - sein Kommentar: "da kann man ja nicht aufhören...").

      Kein Stoffrest zu klein, ein Patchwork zu sein? Ich hab von Grete mal eine Restekiste geschenkt bekommen (http://daisysdasein.blogspot.de/2011/12/bei-mir-gibts-heute-stoffrestesalat.html), davon zehre ich heute noch. Siehe Nadelkissen. :)

      Genäht habe ich damals mit meiner Ma auch, allerdings hatte ich dann jahrelang keine Nähmaschine mehr, sondern habe zu Nähendes bei "Heimaturlauben" mitgenommen. Vor einem guten Jahr ist dann endlich wieder eine bei mir eingezogen - kann weitergehen.

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    2. nein, kenn ich nicht, aber ich hab mir grad mal ein paar Rezis angesehen, ist zwar nicht mein übliches Beuteschema, aber es hört sich sehr interessant an!!

      LG Agnes

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  14. Wahnsinn! So viel Arbeit, so ein geiles Ergebnis. Zu Patchwork kann ich leider nix Qualifiziertes sagen, weil keine Ahnung. Sieht aber super aus! ;)

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