Donnerstag, 29. März 2012

Mannemer Dreck - ein delikater Dreckhaufen?

Nein, sie ist jetzt nicht komplett abgedreht - nur zeitweilig abwesend. Oder eher: nur zufällig auch mal zu Hause. Und auch dann nicht vor dem Rechner, sondern am liebsten vor der (Balkon-)Tür...

Noch keine Bepflanzung, keine Deko, kein Farbkonzept, kein Styling - dafür Sonne satt und Frühling genießen!

Ansonsten treibe ich mich momentan so viel wie möglich "da draußen" herum. Dabei komme ich nicht umhin, auch die Traditionen und Gepflogenheiten meines näheren und weiteren Umlandes zu entdecken (endlich!). Und natürlich - wie könnte es bei mir als Naschtante sein - auch traditionelles Gebäck wie den "Mannemer Dreck".

Der Ursprung dieses Gebäcks ist im Jahr 1822 zu finden, so steht es jedenfalls bei Spiegel Online: "Der damalige Stadtdirektor Philipp Anton von Jagemann verbot per Polizeiverordnung "den im Haus aufgesammelten Koth mit dem Kehrricht" auf die Straße zu entsorgen. Verstöße wurden mit einer saftigen Geldbuße geahndet. Ein launiger Mannheimer Zuckerbäcker soll daraufhin erstmals eine verdächtig aussehende, braune Backware auf den Markt gebracht haben, die heute noch unter dem Namen "Mannemer Dreck" bekannt ist".- Neben ausgiebigeren Informationen zur Entstehung gibts auf der Seite dort auch gleich ein Rezept für die süßen Fladen - und hier die Dokumentation der Umsetzung des Spiegel-Rezepts in Theorie und Praxis:

Zutaten
150 g Mehl, 150 g Marzipanrohmasse, 150 g grob gemahlene Haselnüsse, 50 g Zitronat, 50 g Orangeat, ein Teelöffel geriebene Zitronenschale, 2 Esslöffel Honig, 100 g Zucker, 150 g Eiweiß, je eine Prise gemahlener Zimt, schwarzer Pfeffer, Muskat, Nelken, Kardamon und Koriander, ein Prise Backpulver, 30 Backoblaten, 200 g Halbbitter-Kuvertüre


Gewürzauswahl - was halt so da war... bei mir immer: Delifrut

Zubereitung
Mehl, Marzipanrohmasse, Haselnüsse, Zitronat, Orangeat, Honig, Zitronenschale, Gewürze und Backpulver mischen und zu einer geschmeidigen Masse kneten.

"Geschmeidig"...? Naja.... - aber nun gut. Tipps: Zitronat und Orangeat habe ich erst nochmal mit dem elektrischen Zerhacker bearbeitet, bis die Brösel in etwa die Größe der gehackten Haselnüsse erreichten, um eine einheitlichere Verteilung zu ermöglichen. Das Marzipan weigerte sich etwas länger, sich fein zu verteilen. Meine "End"masse ließ sich zwar auch zu einem Kloß zusammendrücken, ich wählte aber die Variante "Bröselherstellung", was später noch gut sein sollte...

Eiweiß zusammen mit dem Zucker steif schlagen. Den Eiweißschnee mit einem Holzlöffel vorsichtig in die Grundmasse einarbeiten...

150 g Eiweiß bekam ich aus vier Eiern zusammen (Größe M, ökologische Hühnerhaltung). An dieser Stelle wird auch deutlich, warum das Bröseldasein gar nicht so verkehrt war - das Vermischen mit dem Eischnee wurde deutlich erleichtert.

...das Ganze in einen Spritzbeutel füllen und auf den Backoblaten verteilen. Anschließend fünf Stunden lang bei Zimmertemperatur abgedeckt trocknen lassen.

Dieser Teil funktionierte erstaunlich einfach. Mangels Spritzbeutel griff ich auf einen Gefrierbeutel mit abgeschnittener Ecke zurück - perfekt! Die Trockenzeit kollidiert an normalen Wochentagen aber meistens mit Arbeits- und Schlafenszeit - drei Stunden mussten reichen, hatte ich beschlossen. Ich bekam genau 30 Dreckhäufchen aus der Masse. - By the way - spätestens an dieser Stelle freut man sich, wenn man die Finger nicht bei sich lassen kann, auf Käsebrot und Bier...

Den Backofen auf 200 Grad Celsius vorheizen und die "Dreckhaufen" mindestens zehn Minuten lang backen.

Nach 10 Minuten sahen sie bei mir so aus (draußen dunkelte es schon, deshalb gibts hier Schummerlicht) und kamen raus aus dem Backofen.

Wenn sie vollkommen abgekühlt sind, mit der Kuvertüre, die man vorher in einer Schüssel im heißen Wasserbad geschmolzen hat, dick einpinseln und wiederum kalt werden lassen.

Da hatte ich nicht aufgepasst und zu wenig Kuvertüre im Haus. Dass ich ein geschmolzene-Schoki-Addict bin, machte es nicht besser... für ein paar der Dreckhäufchen reichte es nicht mehr, so rührte ich schnell noch einen mit Zimt gewürzten Zuckerguss an. Das mit dem Einpinseln klappte mit einem Silikonpinsel zu meiner Erleichterung super - auch um 23 Uhr noch.
Fertig!

Guten Hunger! :)

...so, und weil ich nach bellainas Post gestern die Finger nicht bei mir lassen konnte und mir Shelly ebenfalls bestellt habe, muss ich morgen erst einmal Jersey kaufen. Bei der Gelegenheit laufe ich in E2 vorbei und besorge mir Original-Mannemer Dreck. Nach einem Geschmacksvergleich weiß ich dann, wie sie eigentlich schmecken sollen - falls noch was zum Vergleich übrig ist, lecker sind die Dinger nämlich...